Corona-Tagebuch
April 2020




Mittwoch, 1. April 2020

Das Ende des (eh völlig bescheuerten) Händeschüttelns?
Und: ich habe heute doch Soforthilfe beantragt


Wieder ein neuer Corona-Effekt: gestern sah ich im Fernsehen in einer Serie zwei Menschen, die aufeinander zugingen und sich die Hände schüttelten. Was in Zeiten vor Corona ein ganz normaler Anblick war, wirkt nach nur ein paar Wochen des gezwungenermaßenen ja-jeglichen-Körperkontakt-Vermeidens bereits ziemlich befremdlich. Tatsächlich zuckte ich lustigerweise sofort automatisch zusammen und mein Hirn sendete einen spontanen Impuls in etwa wie "huch, das geht doch nicht!". :-)

Mich nervt das blöde Händeschütteln ja schon seit Jahren. Denn wie bescheuert ist es eigentlich, sich – besonders im Winter, in der Erkältungszeit – ständig die Hand zu geben? Clevere Ärzte verweigerten das Händeschütteln schon immer. Nur bei den „Normalbürgern“ ist diese Denke irgendwie noch nicht angekommen. Die geben sich, weil’s ja Tradition ist, munter weiter die Hand und verbreiten Keime UND VIREN!

Aber vielleicht findet ja jetzt durch Corona auch hier endlich ein Umdenken statt. Aber bitte auch nicht die zur Zeit praktizierte Berührung mit den Ellbogen! Denn die mag ja gesundheitlich weniger bedenklich sein, sieht dafür aber völlig bescheuert aus.

Wie wär’s mit der japanischen Methode, einer einfachen, angedeuteten Verbeugung? Das ist eine ehrerbietende, stilvolle Geste, die durch den gewahrten körperlichen Abstand zudem noch gesundheitlich absolut unbedenklich ist!

Soweit das Wunschdenken … Mir ist schon klar, dass selbst Corona das seit – keine Ahnung wie viel – Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden gepflegte Prozedere des Händeschüttelns wahrscheinlich nicht abschaffen wird. Es besteht aber immerhin Hoffnung, dass Menschen, die auch nach Corona weiterhin keine Keime und Viren tauschen möchten, nicht mehr so schräg angeschaut werden, wenn sie das Händeschütteln verweigern.


Letzten Freitag hieß es auf der Seite des Wirtschaftsministeriums noch, dass vor der Beantragung des Zuschusses das Privatvermögen aufgebraucht werden muss. Das hat man dankenswerterweise zwischenzeitlich wieder geändert. Klar habe ich mir in den letzten zwei Jahrzehnten eine kleine Rücklage geschaffen. Da ich aber alles andere als "reich" bin, hab ich – nach zig Diskussionen mit Kolleg*innen – jetzt auch keine moralischen Bedenken mehr und habe den Zuschuss heute beantragt.

Tipp: Thema der letzten Tage im Kolleg*innenkreis war oft WAS man denn alles berechnen darf. Einige hofften ja, dass man nur seinen Einkommensverlust angeben müsse und den dann ersetzt bekommt. So ist es nicht! Ich hab heute mit mehreren Stellen telefoniert und mich schlau gemacht. Man kann tatsächlich NUR die regulären Betriebsausgaben und NICHT die Lebenserhaltungskosten berechnen!

Klar, wer gar kein Einkommen mehr hat, der braucht auch noch was zum Leben. Dafür ist dann aber nicht der Corona-Zuschuss gedacht, sondern dafür muss Arbeitslosengeld II beantragt werden. Bis einschließlich Juni können das ausnahmsweise jetzt auch Selbstständige. Angeblich sogar OHNE dass, wie sonst üblich, die Vermögenssituation geprüft wird. Wobei logischerweise vorausgesetzt wird, dass Antragsteller von ALG II von Natur aus keine Millionäre sind. :-)


Nachtrag: zwischenzeitlich gibt es auf der Seite der Agentur für Arbeit einen vereinfachten Antrag auf Grundsicherung (Arbeitslosengeld II):

https://www.arbeitsagentur.de/m/corona-grundsicherung/






Freitag, 3. April 2020

Einschränkung der Grundrechte?
und TIPP: Desinfektionsmittelquelle in Karlsruhe aufgetan!


Die ganzen Blödköpfe, die sich bereits nach einer Woche in ihren Grundrechten verletzt fühlen und behaupten der böse Staat schränke Ihre Freiheit ein, lassen gerade meinen Blutdruck steigen! Wahrscheinlich sind das die gleichen Typen, die ein Verbot der schwachsinnigen Raserei auf Deutschlands Autobahnen ebenfalls als Einschränkung ihrer Freiheit ansehen.

Liebe Blödies, ich glaub zwar, ich hab's schon mal irgendwo irgendwann geschrieben, aber ich schreib's gerne immer wieder: Gegen Menschen, die zu blöd sind einfache Zusammenhänge zu begreifen oder die aufgrund ihrer ach so dicken Eier nur zu egoistischem und nicht zu rücksichtsvollem Handeln fähig sind, muss der Staat zum Wohle aller Maßnahmen ergreifen. Das gilt für den Klimawandel und die Raserei auf Autobahnen genauso wie für die Corona-Pandemie.


Die meisten Menschen sind bekanntermaßen faul und fahren am liebsten direkt vor die Supermarkt-Türe. Diese Tatsache kann man sich derzeit zunutze machen! Denn wenn in den großen "Shopping-Centern", in denen man vom Auto zum Laden mehr als fünf Meter laufen muss, fast alle Läden dicht sind, geht da – nur wegen ein paar Drogerie-Artikeln – kaum noch jemand hin.

Wie mir Freund O. (fast 50) aus K. heute Morgen mitteilte, gibt es im großen, leeren ECE-Center in Karlsruhe einen einsamen Drogeriemarkt, der so schwach besucht sein soll, dass es dort tatsächlich noch Desinfektionsmittel gibt!

Ich also mittags zum ECE-Center. Das war schon ein fast gruseliges Erlebnis: Fast alle Läden dicht, es war entsprechend dunkel und einschließlich mir nur drei Nasen im riesigen Center. Und im oberen Stockwerk, tatsächlich: inmitten all der verdunkelten Läden ein einsamer, hell erleuchteter Müller-Drogeriemarkt! Und in dem Laden gab es tatsächlich neben Klo- und Küchenpapier auch Desinfektionsmittel – sowohl für Flächen, als auch für die Hände!

Apropos: Ich hab mich immer gefragt, ob die ganzen normal erhältlichen Desinfektionsmittel, bei denen auf dem Etikett angegeben ist sie seien "gegen spezielle Viren" wirksam, eigentlich Corona wirklich den Garaus machen ... ? Corona bildet. Heute habe ich viel über Desinfektionsmittel gelernt:

Warum Coronaviren Seife hassen (Neue Zürcher Zeitung)

Corona fällt also unter solch "spezielle Viren", gegen die die üblichen Mittel, bestehend aus Propanol und Ethanol (wie auch das, das es bei Müller im ECE-Center gibt), helfen.


Nachtrag: Ich hab mir abends die heute erworbenen Desinfektionsmittel noch mal genau angeguckt. Die Inhaltsstoffe des Flächenreinigers sind mit "Ethanol und 2-Propanol" und die des Handreinigers mit "70% Alkohol, enthält Ethylalkohol" deklariert. Es handelt sich offenbar um "Not-Produkte", wie sie jetzt überall organisiert und zusammengemixt werden. Der Flächenreiniger stammt von einer Chemie-Firma aus Berlin und stinkt nach Brennspiritus und der Handreiniger stammt aus Polen. Brennspiritus stinkt zwar, ist aber – wie ich ja jetzt gelernt habe – dadurch, dass er zu 97% aus Ethanol besteht, wohl gegen Corona wirksam. Das 70%ige Hand-Desinfektionsmittel hingegen ist eventuell nicht gegen Corona wirksam, denn 70% Ethylalkohol (=Ethanol) werden laut NZZ (s. Link oben) als Minimalkonzentration gegen Corona empfohlen. Korrekterweise steht auf dem Etikett auch nichts von "wirkt gegen spezielle Viren".






Samstag, 4. April 2020

Einfach nur dasitzen und den Glocken lauschen ...


Jeden Abend etwa um 19.30 Uhr läuten bei uns in der Weststadt von Karlsruhe die Kirchenglocken. Haben sie das schon immer getan? Ich gestehe: ich weiß es nicht.

Seit ein paar Tagen nun nehme ich dieses Geläut jedenfalls sehr bewusst wahr. Eigentlich bin ich kein sonderlich religiöser Mensch. Nun halte ich aber jeden Abend, wenn die Glocken erklingen, automatisch inne, unterbreche was auch immer ich gerade mache, setze mich aufs Sofa, schließe die Augen und lausche dem Klang der Glocken. Und: das tut gut! Danke!

Montag, 6. April 2020

Atemschutzmaske aus Küchenpapier


Ursprünglich hieß es, Atemschutzmasken seien sinnlos. Zwischenzeitlich ist das Robert-Koch-Institut (RKI) aber doch der Ansicht, dass ein Tragen von Schutzmasken deshalb sinnvoll ist, weil es eine Verbreitung der Corona-Viren verhindern kann:

Wie Virologen ihre Haltung zu Mundschutz änderten (FAZ)

Das Problem: im Handel gibt es so gut wie keine Masken mehr oder diese werden von Wucherern zu horrenden Preisen angeboten.

Als zwanghafter Bastler habe ich am Wochenende getüftelt und mir überlegt, wie man schnell und günstig eine sinnvolle Maske basteln kann, die auch nicht bescheuerter aussieht als andere. Das Ergebnis gibt es auf Youtube zu sehen:

DIY Atemschutzmaske






Dienstag, 7. April 2020

Grüße aus Karlsruhe – Corona Edition


Die vielen U-Strab-Baustellen veränderten das Karlsruher Stadtbild. Quasi als Zeitzeugnis hab ich daraufhin 2013 die erste Grüße-aus-Karlsruhe-Postkarte, die "Baustellenkarte" entworfen und verlegt.

2020 veränderte ein anderes Ereignis wieder das Karlsruher Stadtbild: der Corona-Virus. Das Stadtbild 2020 hab ich jetzt erneut auf einer Grüße-aus-Karlsruhe-Postkarte festgehalten. Die "Coronakarte" ist ab sofort erhältlich: www.karlsruhe-postkarten.de

Corona-Postkarte Karlsruhe






Mittwoch, 8. April 2020

Bitte jetzt nicht auch noch Dürre!


Tolles Wetter? Nö! Ich mag Regen. Denn wenn's regnet, bleiben die Pflanzen grün. Umgekehrt: das, was wir jetzt immer öfter die letzten Jahre in Karlsruhe erleben konnten, dass es wochenlang nicht regnet und die Pflanzen sichtbar leiden, vertrocknen und sogar absterben, macht mich ziemlich fertig. Als Pilzesucher hab ich mal einen Wetterrückblick für den Raum Karlsruhe programmiert. Der bestätigt, was ich in meinem Garten sehe: der letzte nennenswerte Niederschlag war vor drei Wochen UND: auch die nächste Woche ist kein Regen in Sicht ... :-(

Der Frühling mit seinem saftigen Grün ist eigentlich meine Lieblingsjahreszeit. Muss ich mich daran gewöhnen, dass es bald kaum noch einen nennenswerten Frühling mehr geben und der Winter zukünftig direkt in den Sommer übergehen wird – mit trostlosen steppen- und wüstenähnlichen Zuständen hier in Karlsruhe?

Oh weh! Kriege, Flüchtlinge, Corona, Dürren ... Ich frag mich gerade wirklich, was wir Menschen eigentlich verbrochen haben ... Ist genau das vielleicht der Zweck der Übung?






Donnerstag, 9. April 2020

Vielen von uns geht's immer noch zu gut ...


Ein nettes Gespräch gestern mit einer Auftraggeberin ergab, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine stehe und dass anderen das Gejammere und Gemeckere der Menschen in diesem Land auch gewaltig auf den Zeiger geht! Millionen Menschen auf der Welt wünschen sich wahrscheinlich zur Zeit sie könnten in Deutschland leben und würden von staatlichen Hilfen und einem Gesundheitssystems profitieren, wie wir Deutschen es tun. Aber was tun viel von uns: sie beklagen, dass der Staat ihnen ihre Grundrechten beschneiden würde. Für mich ein deutliches Zeichen dafür, dass es einer Menge Menschen hier bei uns immer noch viel zu gut geht.

Nachtrag: ein zum Thema passender Artikel:

„New York Times“ erklärt die deutsche Ausnahme (welt)






Freitag, 10. April 2020

Mitleid mit der Art Mensch ... ?


Gestern Mittag saß ich erst unter einem und am Nachmittag unter einem anderen Kirschbaum. Dort passierte – rein gar nichts! Eigentlich sollte es in den in voller Blüte stehenden Kirschbäumen bei dem Wetter und den Temperaturen wie verrückt rumsummen. Aber da war eben – nichts! Ich hab gestern den ganzen Nachmittag über gerade mal zwei Bienen gesehen. Dafür aber mindestens ein Dutzend Menschen, die ihre Hunde mitten im Naturschutzgebiet frei herumlaufen ließen ...

Klar, Corona bedroht die Art Mensch. Wieviele Arten aber bedroht der Mensch? Der Mensch vermehrt sich ungehemmt immer weiter, drückt alle anderen Arten immer weiter zurück und rottet viele letzten Endes sogar ganz aus.

Ja, wahrhaftig, das vom Mensch der Natur und den anderen Arten zufügte Leid frustriert mich doch – deutlich! – mehr, als das, das Corona den Menschen bereitet.






Mittwoch, 15. April 2020

Corona-Gewöhnung Teil 2
und: Dank Corona nachmittags über die Rheinbrücke!


Am 27. März stellte ich bereits fest, dass ich während der 20 Uhr-Tagesschau lange nicht mehr so gebannt und fassungslos vor der Glotze saß, wie am Anfang. Zwischenzeitlich gucke ich sie kaum mehr. Was ich vor zwei Wochen befürchtet habe, ist jetzt eingetreten: ich hab mich wohl an Corona und die allabendlichen Schauer-Nachrichten gewöhnt ...


Unter der Woche Nachmittags noch mal schnell zu einer Mountainbike-Tour in den Pfälzerwald fahren? Das war bis vor ein paar Wochen angesichts der stets verstopften B10 völlig undenkbar. Dank Corona geht das jetzt ganz wunderbar. Ich bin heute das erste Mal im Leben nachmittags unter der Woche in die Pfalz gefahren. Nach einer halben Stunde war ich bereits in Birkweiler und eine weitere halbe Stunde später auf dem Berg! :-)






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